Familie ist der Raum, in dem Kinder groß werden, wachsen, sich entwickeln. Die damit einhergehenden Bedürfnisse zu erkennen und einen adäquaten Umgang zu finden, kann für Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte eine große Herausforderung bedeuten. Insbesondere wenn eigene Schwierigkeiten überhandzunehmen drohen und dadurch die Kinder aus dem Blick geraten. Fachkräfte helfen in der Bewältigung dieser Probleme.

Die psychische Erkrankung oder die Beeinträchtigung eines Elternteils oder eines Kindes sind beispielsweise KEIN Ausschlusskriterium für die Heilpädagogische Familienhilfe, sondern stellen explizit ihr Aufgaben- bzw. Handlungsgebiet dar. Im Rahmen der Heilpädagogischen Familienhilfe werden Beeinträchtigungen der Eltern angenommen, ohne dass das Wohl des Kindes ins Hintertreffen gerät. Um diese Gratwanderung immer wieder professionell gesichert bewältigen zu können, bedarf es fundierter und intensiver Reflexionsprozesse, fachlichen Austausches und (heil)pädagogischer Methoden, die an den jeweiligen Ebenen des Systems ansetzen und die einzelnen Familienmitglieder begleiten.

Modul 1: Einführung in die Heilpädagogische Familienhilfe

Eine intensive Begriffsdiskussion und -klärung bildet das Fundament dieser Weiterbildung. Anhand gesetzlicher Grundlagen und in der Erörterung heilpädagogischer Haltungen und institutioneller Voraussetzungen wird ein Verständnis Heilpädagogischer Familienhilfe erarbeitet, das durch die Vorstellung eines Konzeptes und durch Fallarbeit vertieft wird.

Modul 2: Was Kinder als Angehörige psychisch kranker Eltern oder von Eltern mit Beeinträchtigungen brauchen

Kinder und Jugendliche stehen mit ihrem Erleben und ihren Bedürfnissen bezüglich der Erkrankung einer engen Bezugsperson im Fokus des Moduls. Wie kann hier heilpädagogische Arbeit gestaltet werden? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse gibt es und welche Ansätze haben sich bewährt? Welche Schutzfaktoren sind notwendig, um ein möglichst unbelastetes Aufwachsen zu ermöglichen? Wie kann eine nachhaltige Unterstützung gestaltet werden? Es werden zudem unterschiedliche Krankheitsbilder der Erwachsenen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Heranwachsenden beleuchtet.

Modul 3: Was Kinder stärkt – Bindung, Beziehung, Begegnung

Kinder werden mit einem angeborenen Bedürfnis nach Bindung geboren und organisieren ihr Verhalten und Denken so, dass sie ihre Bindung zu einer Bindungsperson aufrechterhalten. Missverstehen von Bindungs- und Autonomiebedürfnissen führen zu inneren und äußeren Trennungen. Ein Verständnis dieser Zusammenhänge eröffnet heilende Interventionsmöglichkeiten, die wir gemeinsam erfahren werden.

Modul 4: Was Eltern stärkt – Methoden für die ressourcenorientierte Zusammenarbeit

Insbesondere in den ambulanten Hilfen zur Erziehung ist eine intensive Zusammenarbeit von großer Bedeutung. In diesem Modul werden wir den Blick über den Tellerrand wagen und der Frage nachgehen, wie eine ressourcenorientierte, empathische Zusammenarbeit mit Eltern und Angehörigen unter erschwerten Bedingungen gelingen kann. Hierzu werden verschiedene Ansätze und Methoden vorgestellt und ausprobiert; bspw. das aktive Zuhören (Rogers), die dialogische Haltung sowie Methoden aus der systemischen Familienarbeit.

Modul 5: Was das System und die Einzelnen stärkt – Fallverstehen durch psychoanalytische Pädagogik

Familiensysteme, die heilpädagogischer Hilfe bedürfen, zeichnen sich häufig durch komplexe
Strukturen und verworrene Konfliktlagen aus, z. B. wenn psychische oder Suchterkrankungen vorliegen. Um konstruktiv tätig werden zu können, bedarf es eines vertieften Verständnisses unbewusst wirksamer Dynamiken wie Übertragung und Gegenübertragung. Mithilfe praxisorientierter Fallarbeit wird sich einem Verständnis der Dynamiken angenähert und Strategien entwickelt.

Modul 6: Was mich als (Heil)Pädagogin und (Heil)Pädagoge stärkt – Verstehen, um zu handeln. – Selbstreflexion, um mein Handeln zu verstehen.

Im Rahmen der HPFH tätige Fachkräfte bewältigen zahlreiche Herausforderungen im pädagogischen Alltag. Neben professionellen Handlungskompetenzen, die Verstehenszugänge öffnen, das Halten und Aushalten ermöglichen und das methodische Spektrum erweitern, bedarf es insbesondere eines sorgsamen und wertschätzenden Umgangs mit den eigenen Ressourcen. Dies erfolgt über ein Erkennen und Betrachten selbst eingebrachter Familienfälle.

Modul 7: Evaluationsmodul

Sie reichen vier Wochen vorher eine schriftliche Ausarbeitung eines ausgewählten Praxisfalles ein (5–10 Seiten) und beleuchten diesen im Hinblick auf heilpädagogische Familienhilfe. Im Rahmen des Evaluationsmoduls stellen Sie Ihre Fallarbeit vor. Eine vom BHP beauftragte Person nimmt daran teil.

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • Die Heilpädagogische Familienhilfe in ihren Aufgaben und Grenzen gegenüber der Sozialpädagogischen Familienhilfe beschreiben,
  • die Heilpädagogische Familienhilfe rechtlich verorten,
  • Herausforderungen der Arbeit mit Eltern mit Beeinträchtigung erörtern,
  • Methoden der Begleitung von Eltern und Familiensystemen darlegen,
  • die Bedeutung von Bindung, Dialog und Netzwerkarbeit diskutieren,
  • Stärken im System (d. h. auf den verschiedenen Ebenen) erkennen und darauf aufbauend Bewältigungsstrategien entwickeln,
  • sich als Person im Prozess reflektieren.
Kurs-Nr.: 19 W 8 

Heilpädagogische Familienhilfe

Referenten/innen:
Sandra Leginovic | Harald Bauer | Stephanie Jofer-Ernstberger
Termin:
Modul 1:
Freitag, 17. Mai 2019, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 18. Mai 2019, 09:00 – 17.00 Uhr
Modul 2:
Freitag, 14. Juni 2019, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 15. Juni 2019, 09:00 – 17:00 Uhr
Modul 3:
Freitag, 06. September 2019, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 07. September 2019, 09:00 – 17:00 Uhr
Modul 4:
Freitag, 25. Oktober 2019, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 26. Oktober 2019, 09:00 – 17:00 Uhr
Modul 5:
Freitag, 13. Dezember 2019, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 14. Dezember 2019, 09:00 –17:00 Uhr
Modul 6:
Freitag, 31. Januar 2020, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 01. Februar 2020, 09:00 – 17:00 Uhr
Modul 7:
Freitag, 27. März 2020, 15:30 – 19:00 Uhr
Samstag, 28. März 2020, 09:00 – 17:00 Uhr
Umfang:
72 Einheiten
Anmeldung bitte bis:
12. April 2019
Zielgruppe:
Heilpädagoginnen und Heilpädagogen
Teilnehmerzahl:
20
Verpflegung:
Mittagessen und Getränke sind in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort:
Freiburg (b)
EAH Credits:
3,5
Kosten:
BHP Mitglieder je Modul 200,00 € (Einmalzahlung: 1.380,00 €)
bei Anmeldung bis 01.02.2019: 1.330,00 €
Nichtmitglieder je Modul 250,00 € (Einmalzahlung: 1.730,00 €)
bei Anmeldung bis 01.02.2019: 1.680,00 €