Inklusion bedeutet selbstverständliche Zugehörigkeit von Menschen mit Behinderungen und Teilhabe ist gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention nicht an die Erfüllung von Voraussetzungen gebunden (Dederich 2011: 45). Inklusion erfordert demzufolge die Transformation gesellschaftlicher Systeme und Strukturen und nicht, Menschen in die Systeme und Strukturen einzupassen (Dederich 2011: 44). Chancengerechtigkeit und Anerkennung von Vielfalt muss das große Ziel sein. Stattdessen aber wird Inklusion immer noch der Disziplin Sonderpädagogik zugeschrieben und regelrecht „sonderpädagogisiert“ (Biermann 2019: 19ff). Im Zuge dessen wird individuelle Förderung zu einem Instrument institutioneller Diskriminierung, das Individualisierung von Problemlagen festschreibt, und letztlich das Gleichheitsprogramm in Bezug auf die Leistungserwartung unterstützt beziehungsweise die tatsächlichen Differenzen verdeckt (Berkemeyer 2016: 28). „Individuelle Förderung droht zur zentralen Regierungstechnik zu werden und nicht zum Anlass individualisierter Bildungsbiographien“ (Berkemeyer 2016: 28). Es erscheint heute notwendiger denn je, gelingende Teilhabe mit den passenden Rahmenbedingungen zu ermöglichen und gesellschaftlich für die wirksame Akzeptanz von Vielfalt zu sensibilisieren (Rudolf 2017: 38). Diagnostik kommt daher eine ganz neue Bedeutung zu und muss von einer individualisierten Sicht zu einer umfassenden 360 Grad-Diagnostik werden, die für eine Sicht auf die Entwicklungschancen auch alle AkteurInnen einbezieht. Diese Sicht soll im Rahmen des Vortrags genauer erläutert werden.

Kurs-Nr.: 21 O 1.6
Aus der Sicht der Disability Studies: normalitätskritische Heilpädagogische Diagnostik
Referentin:
Prof. Dr. Simone Danz
Termin:
Montag, 17. Mai 2021, 17:00-18:30 Uhr
Anmeldung bitte bis:
11. Mai 2021
Zielgruppe:
HeilpädagogInnen und andere pädagogische Fachkräfte
Teilnehmerzahl:
50
Kosten:
BHP Mitglieder 25,00 €
Nichtmitglieder 40,00 €