Das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) soll zum 01.01.2017 in Kraft treten. Die Zielperspektive eines inklusiven Gemeinwesens ermöglicht die Verankerung des Anspruches im BTHG auf Beratungsleistungen für Menschen mit Beeinträchtigung, die sich im Teilhabeplanungsprozess befinden. Ziel der Beratung ist, den individuellen Hilfebedarf zu erfassen und die notwendigen Unterstützungsleistungen personenzentriert auszugestalten.

Das Ermitteln, Erkennen und Durchführen personenzentrierter Leistungen erfordert hohe fachliche Kompetenzen. Das heilpädagogische Verständnis vom Menschen „betont die unauflösliche Einheit körperlicher, geistiger, seelischer und sozialer Dimensionen, die sich in jedem Menschen auf individuell einzigartige und gleichwertige Weise konkretisieren.“ (BHP Berufsbild 2010, 7) Dieses Verständnis, eingebettet in die gesellschaftlichen Bedingungen und Zusammenhänge der jeweiligen Person, dient als Grundlage der Wunsch- und Hilfebedarfsermittlung. Eine ethische Reflexion des Selbstbestimmungsrechtes ist Voraussetzung für eine Ausgestaltung der Wünsche von Menschen mit Beeinträchtigungen mit dem Ziel einer nachhaltigen Verbesserung und langfristigen Etablierung individueller Lebensqualität.

Daraus ergeben sich die Aufgaben der beratenden (Heil)Pädagogin / des beratenden (Heil)Pädagogen, den Teilhabeplanungsprozess zu personalisieren, d. h. den Hilfebedarf ICF-basiert zu ermitteln, die geeigneten Methoden und Instrumente für den individuellen Planungsprozess auszuwählen sowie die relevanten Informationen über Rechte und Möglichkeiten für den Mensch mit Beeinträchtigung und (drohender) Behinderung und sein Umfeld barrierefrei aufzubereiten und zu kommunizieren. Um ein inklusives Gemeinwesen entwickeln und gestalten zu können, müssen die individuellen Teilhabeansprüche im Kontext einer örtlichen Teilhabeplanung verortet werden.

Modul 1: Einführung in die Personenzentrierte Teilhabeplanung
Der Begriff der Personenzentrierten Teilhabeplanung wird in Historie und Ausgestaltungsmöglichkeiten erörtert und das Recht auf Beratung im Teilhabeplanungsprozess im Bundesteilhabegesetz verortet. Aus diesem Recht ergeben sich eine Vielzahl an Aufträgen, die in Chancen und Begrenzungen diskutiert werden.

Modul 2: Leistungs- und Leistungserbringungsrecht im BTHG
Menschen mit Beeinträchtigungen haben Rechtsansprüche aus dem Bundesteilhabegesetz. Dieses Modul informiert über diese Rechte und Wege der Umsetzung sowie allgemeine verfahrensrechtliche Angelegenheiten.

Modul 3: ICF-basierte Hilfebedarfsermittlung
Auch die Ermittlung des Hilfebedarfs wird im BTHG geregelt. Voraussichtlich wird es eine Festlegung auf Kriterien geben, denen die zu verwendenden Instrumente zur Hilfebedarfsermittlung entsprechen müssen. Personenzentrierung und ICF als Grundlage sind zwei dieser Kriterien. Im Rahmen dieses Moduls werden die Kriterien beschrieben und Instrumente der Hilfebedarfsermittlung diesbezüglich hinterfragt.

Modul 4: Informationen barrierefrei gestalten
Personenzentrierte Teilhabeplanung bedeutet auch, die Informationen so zu gestalten, dass diese in einer notwendigen Komplexität erfasst werden können. Die Vielzahl möglicher Beeinträchtigungen bedingt eine Vielzahl an Notwendigkeiten barrierefreier Gestaltung von Informationen. Dieses Modul informiert über die Bandbreite der Möglichkeiten und gibt eine Einführung in ausgewählte Methoden.

Modul 5: Methoden und Instrumente der Teilhabeplanung
Der Hilfebedarf lässt sich nicht einfach aus den Beeinträchtigungen ableiten, sondern umfasst immer auch individuelle Wünsche und Ziele. Um diese zu ermitteln, aus den Wünschen Ziele zu formulieren und diese in gangbare Schritte zu differenzieren, benötigt die beratende (Heil)Pädagogin / der (Heil)Pädagoge ein fundiertes Methodenspektrum. Dieses Modul führt ein in die Grundhaltung und Methodenanwendung der Persönlichen Zukunftsplanung und der Sozialraumorientierung.

Modul 6: Beratungssituationen gestalten, Beratungskonflikte verstehen
Beratungssituationen so zu gestalten, dass eine konstruktive Atmosphäre entsteht und bleibt, gehört zu den allgemeinen (heil)pädagogischen Kompetenzen. Jedoch sind jeder / jedem Konflikte im Rahmen von Beratungen vertraut. In diesem Modul sollen die Dynamiken verschiedener Beratungssituationen analysiert werden, dabei wird auf die intrapsychischen Konflikte der beratenden (Heil)Pädagogin / des beratenden (Heil)Pädagogen eingegangen.

Modul 7: Örtliche Teilhabeplanung
Laut einer Empfehlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist örtliche Teilhabeplanung „ein partizipativer und lernorientierter Prozess, in dem alle relevanten Akteure vor Ort unter Federführung der Kommune gemeinsam erarbeiten, wie Inklusion im jeweiligen Gemeinwesen erreicht werden soll.“ (Deutscher Verein 2012, 2)

Die beratenden (Heil)Pädagoginnen und Pädagogen im Prozess der Personenzentrierten Teilhabeplanung können aus ihren Erfahrungen wertvolle Erkenntnisse ableiten, die der Kommune als Grundlage zur Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens dienen.

Modul 8: Evaluationsmodul
Im Rahmen des Evaluationsmoduls werden die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Weiterbildungsreihe zusammengefasst und reflektiert. Hierfür reichen Sie vier Wochen vorher eine schriftliche Ausarbeitung ein (5 bis max. 10 Seiten). In dieser Ausarbeitung entwickeln Sie beispielsweise ein Beratungskonzept für Personenzentrierte Teilhabeplanung. Im Verlauf des Evaluationsmoduls stellen Sie Ihre Arbeit vor. Eine vom BHP beauftragte Person nimmt daran teil.

Sie haben die Möglichkeit, sich folgende Kompetenzen zu erarbeiten:

  • Den Begriff der Personenzentrierten Teilhabeplanung darlegen,
  • das Recht auf Beratung im Teilhabeplanungsprozess im BTHG verorten,
  • Leistungsansprüche von Menschen mit Beeinträchtigungen beschreiben, die sich aus dem BTHG ergeben,
  • Instrumente der Hilfebedarfsermittlung auf der Grundlage der ICF und der Personenzentrierung analysieren,
  • Möglichkeiten der barrierefreien Gestaltung von Informationen beschreiben,
  • einen Teilhabeplanungsprozess personenzentriert durchführen,
  • die eigene Person im Beratungsprozess reflektieren,
  • sich als Person sowie die Institution im Kontext örtlicher Teilhabeplanung verorten,
  • ein eigenes Beratungskonzept für Personenzentrierte Teilhabeplanung entwickeln und erste Praxiserfahrungen reflektieren.
Kurs-Nr.: 17 W 5
Kurs-Titel: Personenzentrierte Teilhabeplanung
Referenten/innen: Wiebke Kühl | Dr. Peter Groß | Hans-Günter Heiden | Prof Dr. Gabriele Kuhn-Zuber | Petra Runggaldier | Marcus Windisch
Termin:
Modul 1: Freitag, 17. März 2017, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 18. März 2017, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 2: Freitag, 28. April 2017, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 29. April 2017, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 3: Freitag, 30. Juni 2017, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 01. Juli 2017, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 4: Freitag, 29. September 2017, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 30. September 2017, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 5: Freitag, 03. November 2017, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 04. November 2017, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 6: Freitag, 19. Januar 2018, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 20. Januar 2018, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 7: Freitag, 02. März 2018, 15:30 – 19:00 Uhr | Samstag, 03. März 2018, 09:30 – 17:30 Uhr
Modul 8: Freitag, 27. April 2018, 14:00 – 20:00 Uhr | Samstag, 28. April 2018, 09:00 – 17:30 Uhr
Umfang: 98 Einheiten
Anmeldung bitte bis: Die Weiterbildung findet statt. Anmeldungen sind noch möglich.
Zielgruppe: Heilpädagoginnen, Heilpädagogen und andere pädagogische Fachkräfte
Teilnehmerzahl: 20
Unterkunft: ist nicht in den Kosten enthalten
Verpflegung: Tagungsverpflegung ist in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort: Berlin (a)
EAH Credits: 5
Kosten:
Mitglieder je Modul 175,00 € (Einmalzahlung: 1.375,00 €)
Nichtmitglieder je Modul 215,00 € (Einmalzahlung: 1.700,00 €)