Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind in den verschiedenen Einrichtungen und Diensten in unterschiedlichen Positionen tätig. Heilpädagogik ist als Handlungswissenschaft und in Wechselwirkung mit den verschiedenen Bezugswissenschaften aufgestellt, das bedeutet, dass Heilpädagoginnen und Heilpädagogen von Beginn an darin geübt sind, mehrdimensional und multiperspektivisch zu denken. Auf dieser Annahme basiert diese Weiterbildungsreihe und qualifiziert Heilpädagoginnen und Heilpädagogen für das Leiten von Organisationen, Organisationen verstanden als Netzwerke.

Die fachlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre sowie die Stärkung des Bewusstseins, Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verstehen, führen hin zu einem Verständnis von Organisationen als Netzwerke, zu flacheren Hierarchien, zu mehr Forderungen nach einem kooperativen Miteinander und gleichzeitig wird (weiterhin) ein klarer Führungsstil benötigt. Verständnis und Offenheit bedeuten keine Schwachstellen der Führungskraft. Das erfordert eine gute Orientierung der Person zu sich selbst, eine ausgeprägte Reflexionskompetenz mit klaren und differenziert durchdachten Visionen.

Gleichzeitig erfordert eine Leitungsfunktion neben den heilpädagogischen Handlungskompetenzen Kenntnisse in wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialpolitischen Belangen. Die Weiterbildung hat zum Ziel, diese verschiedenen Bereiche zusammenzuführen, miteinander in Verbindung zu bringen, zu diskutieren und zu reflektieren und beständig heilpädagogisch zu konnotieren.

Modul 1: Heilpädagogik im Leitungshandeln
Jede Leitungsfunktion wird von einer Person ausgefüllt und gestaltet, gewinnt durch die Personalität individuellen Charakter. Heilpädagogik sieht die einzelne Person in ihrem Gewordensein und in ihren systemischen Bezügen und gestaltet daraus gemeinsame Zukunftsentwürfe. Der personale Aspekt von Heilpädagogik ist die Grundlage dieses Moduls und wird in Beziehung zur eigenen Person als Heilpädagogin bzw. Heilpädagoge und Leitungskraft gesetzt. Gleichzeitig wird insgesamt diskutiert und reflektiert, wie heilpädagogisches Wissen, Methoden und Erkenntnisse in Leitungshandeln übersetzt werden können.

Modul 2 Als Heilpädagogin/e führen
Heilpädagogisches Handeln geschieht in Kommunikations- und Interaktionszusammenhängen: mit Klientinnen und Klienten, mit Mitarbeitenden, mit Akteurinnen und Akteuren des Sozialraumes. Kommunikative Fähigkeiten auf verschiedenen Ebenen zählen also zu den Schlüsselkompetenzen in und für Leitungsfunktionen. Die eigene Leitungsvision wird auf die organisationalen Zusammenhänge übertragen und differenziert durchdacht. Das impliziert ein eigenes Konzept zu Mitarbeiterführung und –entwicklung und in der nächsten Ebene zu den verschiedenen Teams.

Rechtliche Grundlagen sowie Rahmungen für Mitarbeiterführung finden sich im Arbeits- und Tarifrecht. Es werden die für die Führungskraft relevanten Aspekte behandelt sowie unter heilpädagogischen Gesichtspunkten reflektiert.

Modul 3: Als Heilpädagogin/e managen
Heilpädagoginnen und Heilpädagogen leiten Organisationen. Die Wahl des passenden Instrumentes zur Organisationsanalyse in der Verbindung mit Kriterien der Reflexion sowie des Reflexionsteams sind bedeutsame Faktoren für eine konstruktive Tiefe und Weite der Erkenntnisse und der daraus ableitbaren Strategien.

Qualitätssicherung spielt eine wichtige Rolle in Einrichtungen und Diensten der heilpädagogischen Handlungsfelder; die inhaltliche Bedeutung von Qualität soll für die Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen diskutiert werden, damit das gewünschte Ergebnis erzielt werden kann. Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung impliziert Risikobewertung sowie Chancen- und Nutzenabwägung von Prozessen, ebenso wie Kenntnisse in und für Projekt- und Changemanagementprozesse.

Der zweite Teil dieses Moduls ist der Öffentlichkeitsarbeit sowie sozialrechtlichen Aspekten gewidmet. Organisationen stehen in der Öffentlichkeit; heilpädagogische Leistungen werden in der Regel aus öffentlicher Hand refinanziert. Somit stehen heilpädagogische Einrichtungen und Dienste in der Verantwortung für ein adäquates und anregendes Bild in und für die Öffentlichkeit. Darüber hinaus werden Aspekte des Fundraising behandelt und verschiedene Fördermöglichkeiten vorgestellt.

Die Grundlagen für eine Refinanzierung heilpädagogischer Leistungen sind in den Sozialgesetzbüchern verankert. Es erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leistungs- und Leistungserbringungsrecht sowie mit verschiedenen Sozialverwaltungsverfahren. Darüber hinaus werden betriebswirtschaftliche Grundlagen für soziale Einrichtungen erörtert, bspw. die Errechnung von Entgeltsätzen. Abschließend werden Verhandlungsstrategien zur Vereinbarung von Entgeltsätzen mit den Leistungsträgern erörtert.

Modul 4: Als Heilpädagogin/e vernetzen
Heilpädagoginnen und Heilpädagogen bewegen sich als Leitungsperson für eine Organisation (mit den Klientinnen und Klienten und den Mitarbeitenden) im Sozialraum. Heilpädagogisches Handeln geschieht also nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern wirkt nach außen.

Heilpädagogik kann als gezielter Eklektizismus konnotiert werden, d. h. eine bewusste, zielorientierte Auswahl der Erkenntnisbezüge und Handlungsrichtungen. Hier ist eine bedeutsame Ressource der Heilpädagogik für interdisziplinäres Arbeiten und Vernetzung angesiedelt.

Auf kommunaler Ebene werden über Sozialraum- bzw. Gemeinwesenorientierung fachliche, personale, gesellschaftliche sowie politische Potenziale des Sozialraumes identifiziert und genutzt. Gleichzeitig wird sich mit dem Spannungsfeld Dezentralisierung vs. Komplexeinrichtung sowie mit örtlicher Teilhabeplanung auseinandergesetzt.

Modul 5: Als Heilpädagogin/e entscheiden
In einem heilpädagogischen Verständnis wird die jeweilige Person immer wieder in Beziehung zu den sie umgebenden Systemen gesetzt und reflektiert – so verhält es sich auch mit der Heilpädagogin / dem Heilpädagogen als Führungsperson. Die Weiterbildungsreihe ist gestartet mit einer Verortung der eigenen Person und endet mit der Reflexion dieser Verortung. Das bedeutet, sich mit Vorbereitungen für Entscheidungssituationen auseinanderzusetzen, vielleicht gar eine individuelle Struktur zur Entscheidungsfindung zu entwickeln und impliziert die Auseinandersetzung mit Widersprüchen bzw. deren bewusstes Zulassen.

So werden Resilienz- und Erfolgsstrategien für den Führungsalltag entwickelt, das eigene Bildungsbestreben sowie Aktivitäten der Selbstfürsorge implementiert.

Modul 6: Abschlusskolloquium
Für das Evaluationsmodul reichen Sie eine schriftliche Abschlussarbeit sechs Wochen vorher ein, in der Sie Ihre eigene heilpädagogische Führungskonzeption entwickeln und präsentieren diese vor der Gruppe.

Eine vom BHP beauftragte Person nimmt daran teil.

 

Kurs-Nr.: 18 W 4
Führen und Vernetzen – Heilpädagogik im Dialog

Koordinator/in: Silke Gaube | Heinz Nentzel
Referententeam:
Günther H. Jäckle | Gudula Kohn | Ivonne Peters | Dr. Sabine Roschke | Thomas Schmitz | Karolina Warkentin | Heike Zett
Termine:
Modul 1: 01. – 02. Juni 2018
Modul 2: 14. – 15. September 2018 | 16. – 17. November 2018
Modul 3: 17. – 19. Januar 2019 | 14. – 16. Februar 2019
Modul 4: 05. – 06. April 2019
Modul 5: 21. – 22. Juni 2019
Modul 6: 20. – 21. September 2019
Zeiten: Donnerstags: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr | Freitags: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr | Samstags: 09:00 Uhr – 17:00 Uhr
Umfang: 144 Einheiten
Anmeldung bitte bis: 27. April 2018
Zielgruppe: Heilpädagoginnen und Heilpädagogen
Teilnehmerzahl: 16
Unterkunft: ist nicht in den Kosten enthalten
Verpflegung: Tagungsverpflegung ist in den Kosten enthalten
Veranstaltungsort: Essen
Kosten:
BHP Mitglieder 2.565,00 € | bis 01.03.2018: 2.350,00 €
Nichtmitglieder 3.150,00 € | bis 01.03.2018: 2.935,00 €
Ratenzahlung ist nach Vereinbarung möglich.